Olympus OM-D E-M10 – Erfahrungsbericht über die Möglichkeiten der E-M10 inklusive ISO-Reihe

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Die Woche mit der Olympus OM-D E-M10.

Wenn der Postmann zweimal klingelt … dann ist es dieses Mal sicher das angekündigte Paket aus Hamburg. Hamburg? Ja, dort hat die deutsche Olympus-Niederlassung ihren Sitz und die freundliche Dame aus der Presseabteilung hatte unsere Wünsche erhört und ein Testexemplar der Olympus OM-D E-M10 auf die Reise geschickt.

Im Paket waren das Gehäuse, das Zuiko Digital 14-42 mm EZ und der Handgriff ECG-1 sowie Akku und Ladegerät. Und sogar ein gedrucktes Kamerahandbuch, das ich aber erst entdeckt habe, als ich die Ausrüstung für die Rückreise verpackt habe. Damit will ich nicht gesagt haben, dass Handbücher überflüssig sind, aber dank meiner eigenen Olympus XZ-2 war ich mit dem Olympus Einstellungsmenü schon etwas vertraut.

OK, Objektiv anbringen, Akku aufladen und einsetzen, Speicherkarte nicht vergessen und einschalten, Programmrad erstmal auf P und auf alles zielen, was nicht bis drei auf dem Baum ist. rrrrrrrrrr macht die Kamera, was war den das? Glücklicherweise kein Defekt. Die Kamera war auf schnelle Bildserie eingestellt und 8 Bilder pro Sekunde – das hatte ich noch nie erlebt. Eine spiegellose Systemkamera wie die E-M10 braucht nicht den vergleichsweise schweren Schwingspiegel einer DSLR bewegen; die Konstrukteure können deshalb den Schwerpunkt auf den Verschluss und schnellen Datentransfer legen.

Nach diesem Aufreger erst mal eine kleine Pause; schließlich will man auch die Kamera vonallen Seiten kennenlernen. Eine Kamera soll gut aussehende Fotos machen und gut in der Hand liegen, aber es schadet ja nicht, wenn die Kamera selber auch gut aussieht. Mir gefällt das Retro-Design sehr gut. Olympus hat sowohl in der Typenbezeichnung (OM) als auch im Design Anleihen bei den legendären OM-Spiegelreflexkameras gemacht, die die Älteren unter den Lesern vielleicht noch kennen.

–> http://de.wikipedia.org/wiki/Olympus_OM-2

Anders als eine DSLR (das R steht für den Reflexsucher) hat die M10 einen elektronischen Sucher, der nicht nur das Motiv zeigt, sondern auch die Aufnahmeparameter wie Belichtungszeit, Blende, ISO-Wert, Histogramm etc. anzeigt – genau wie das Display.

Die Auflösung des Suchers ist sehr gut und zeigt 100 % des Bildes. Als Brillenträger achte ich immer darauf, ob man trotz des größeren Augenabstandes den Sucher vollständig überblickt. Dies ist der Fall. Eine Dioptrieneinstellung (für alle, die fehlsichtig sind und lieber ohne Brille fotografieren) ist selbstverständlich vorhanden.

Das Objektiv ist die EZ-Version. Das Objektiv ist im Ruhezustand sehr flach (Pancake) und fährt aus, wenn man die Kamera einschaltet; das Einstellen der Brennweite (Zoomen) erfolgt über einem Zoomring, der ähnlich wie eine Zoomwippe einer Kompaktkamera funktioniert. D.h. die Steuerung funktioniert elektrisch über einen Stellmotor und nicht mechanisch. Das hat mich anfangs irritiert, aber man gewöhnt sich daran. Diese Bauweise hat natürlich auch Vorteile: Die Kamera baut im ausgeschalteten Zustand sehr flach und paßt z.B. in meine Gürteltasche, die ich immer bei meinen Radtouren dabei habe und normalerweise meine Olympus XZ-2 beherbergt.

Weiter geht es mit den ersten Fotos. Nachdem ich den Einzelbildmodus aktiviert hatte, konnte ich in Ruhe den Autofokus ausprobieren. Ist der wirklich so schnell, wie Olympus verspricht? Ja, er ist es. Der Piepton „Ziel gefunden“ kommt unmittelbar nach dem Antippen des Auslösers.

Und die Abbildungsqualität: aus meiner Sicht sehr gut. Wissen ist besser als Glauben, deshalb sollte sich jeder, der daran interessiert ist, das ein oder andere Foto in Originalgröße herunterladen. Die Fotos in diesem Bericht sind skaliert (Ausnahme: ISO-Reihe).

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Selbst Nahaufnahmen lassen sich ohne weitere Hilfsmittel bewerkstelligen. Im Telemodus (d.h. 42 mm Brennweite) kann man ein Motiv von 6,3 cm Breite bildfüllend abbilden, wie man gute erkennen kann:

E-M10 - nahaufnahme

Wer noch weiter ins Detail gehen möchte, kann mit einer Nahlinse arbeiten (vorzusgweise ein Achromat der besseren Bildqualität wegen); das Filtergewinde beim 14-42 EZ hat einen Durchmesser von 37 mm. Noch besser ist man natürlich mit einem speziellen MakroObjektiv beraten wie z.B. dem Zuiko Digital 2,8/60 mm Makro.

Das Bedienkonzept der M10 ist schnell beschrieben. Neben der bei vielen Kameras üblichen Vierwege-Wippe und Einzeltasten gibt es auf der Kameraoberseite drei Drehräder. Mit dem linken Drehrad wählt man die Aufnahmeprogramme. Die Rädchen rechts (das hintere für den Daumen und das vordere für den Mittelfinger) lassen sich konfigurieren. Mir passte die vorgefundene Einstellung gut: Daumenrad für Belichtungszeit (Modus A) oder Blende (Modus S) und das Fingerrad für die Belichtungskorrektur. Die Taste für den sofortigen Start einer Videoaufnahme habe ich für die Aktivierung der ISO-Einstellung verwendet.

Wer sich genauer mit den Details beschäftigen will, kann das Kamerahandbuch bei Olympus-Webseite herunterladen.

Link Handbuch
http://www.olympus.de/site/rmt/media/consumer/pim/_manuals_ss2014_/E-M10_MANUAL_DE.pdf

Dank des verstellbaren Display muß man auch bei ungewöhnliche Perspektiven keine Verrenkungen machen. Die Kamera läßt sich auch per Fingertipp auslösen (Touchscreen) und man kann den Fokuspunkt festlegen.

E-M10 - Kirchengewölbe

Dieses Bild habe ich mit ausgeklapptem Display gemacht, wobei die Kamera waagerecht auf einer Kirchenbank lag. Bemerkenswert: es gibt trotz der Überstrahlung so gut wie keine violetten Ränder an den Kontrastkanten

Sämtliche Beispielfotos sind übrigens jpg-Aufnahmen OOC (out of Camera), d.h. unbearbeitet; die kamerainterne Rauschminderung war deaktiviert. Das sollte man beim Analysieren der ISO-Reihe berücksichtigen.

ISO-Reihe_200-12800

Die native Grundempfindlichkeit beträgt bei der M10 ISO 200. Man kann zwar auch ISO 100 einstellen, aber das ist lediglich eine ISO-200-Aufnahme, die kameraintern auf ISO 100 heruntergerechnet wird. Diese Einstellung lohnt demnach nur, wenn ein Foto wegen extremer Helligkeit selbst bei kleinster Blendenöffnung und kürzester Belichtungszeit überbelichtet wäre.

Ich war positiv überrascht, wie sich die M10 trotz des vergleichsweise kleinen Sensors nicht vor den gängigen DSLRs verstecken muß. Wenn man nicht Pixel zählen will, sondern die Bilder als Vollbild auf einem 27 Zoll großen Full HD-Monitor (1920 x 1080) betrachtet, sind ISO 3200 kein Problem. Das Foto mit der ISO-Reihe besteht aus 100%-Ausschnitten der jeweiligen Fotos; das Übersichtfoto ist skaliert. Bei Interesse stellen wir gerne die Originalfotos zur Verfügung.

Die M10 ist auch in Bezug auf Vernetzung auf dem aktuellen Stand der Technik. Die Verbindung mit einem Smartphone (Samsung S3) gelang auf Anhieb per QR-Code; man braucht dazu nur die passende App, deren Name OI Share allerdings etwas unglücklich gewählt ist, denn man kann damit nicht nur Bilder auf das Smartphone (bzw. Tablet) übertragen, sondern auch die Kamera steuern (Remote Control). Das Livebild wird auf das Smartphone übertragen. Diverse Aufnahmeparameter lassen sich einstellen (u.a. der Fokuspunkt) und dank des EZ-Objektivs kann man sogar ferngesteuert zoomen. Das ganze funktionierte bis zu einer Entfernung von ca. 10 m (draußen im Garten).

Mein Fazit: Olympus zeigt mit der OM-D E-M10, dass gute Bildqualiät und ein kompaktes Gehäuse kein Widerspruch sind. Aus meiner Sicht ist sie eine sehr gute Immer-Dabei-Kamera, die trotz der Kompaktheit noch gut in der Hand liegt und alles kann, wofür ich bisher immer meine DSLR eingesetzt habe.

Eigentlich sollte hier der Erfahrungsbericht enden. Es gibt aber noch eine kleine Zugabe. Dank des kleinen Auflagemaßes (*) des mFT-Systems läßt sich fast jedes Fremdobjektiv per Adapter an einer mFT-Kamera verwenden. Nun habe ich noch aus alten einiges an „Altglas“ in der Vitrine, u.a. ein Canon FD 4,0/200 mm Makroobjektiv und eine Telefestbrennweite Canon FD 4,0/300 mm (beide mit Stativschelle). Ein Adapter war schnell besorgt und ich wollte der Frage nachgehen, ob die alten Objektive (Konstruktionen der 80er der analogen Ära) an einer hoch auflösenden Digitalkamera noch brauchbare Ergebnisse ermöglichen. Das Fazit vorweg: ein Kleinbildobjektiv, das vor 30 Jahren zu den besten auf den Markt gehörte, ist auch an einer Digitalkamera mit 16 MP Sensorauflösung auf einem Viertel Kleinbildfläche immer noch ein sehr gutes Objektiv.

Um das zu zeigen, muß ich natürlich Fotos in Originalauflösung zur Verfügung stellen; alles andere ist sinnlos.

Das erste Bild ist ein ein 100%-Ausschnitt (d.h. nur Ränder abgeschnitten) einiger Häuser (Das Ortsschild ist lesbar, Entfernung ca.500 m).

Weiter entfernte Motive waren für den Test am Tage (Dunst und Flimmern durch aufsteigende Luft) übrigens nicht geeignet).

Das zweite Bild spricht für sich – Motiventfernung ca. 300.000 km bei Nacht. Für die Mond habe ich sogar noch einen 2x-Konverter zusammen mit dem FD 4/300 verwendet und war selber überrascht, dass das noch funktioniert. Das Scharfstellen ist übrigens eine Qual, weil es nur mit der 10-fachen vergrößerung auf dem Kameradisplay exakt machbar ist – und bei der Vergrößerung wackelt alles schlimmer wie ein Lämmerschwanz. Ich mußte mit 2 Sekunden Selbstauslöser arbeiten, weil anderenfalls schon das leichte Berühren der Kamera zu starken Verwacklern geführt hätte. Atmen war verboten! Und wie gesagt: das Objektiv war per Stativschelle fest am Stativ befestigt; die Kamera war das Zubehör . Jetzt weiß ich , warum es Stative gibt, die um ein vielfaches teurer sind als mein Manfrotto 055.
Nur zur Erinnerung: 300 mm Brennweite x 2 (wegen Konverter) ergibt 600 mm. Umgerechnet auf Kleinbildformat wären das 1200 mm!! (Cropfaktor mFT = 2)

OlympusEM10_CanonFD4_300_Bl11   

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