Tamron 150 – 600/f5 – 6.3 – Erfahrungsbericht des Superzoom-Objektivs

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Ein Erfahrungsbericht über das derzeit beliebte Superzoom-Teleobjektiv von Tamron. 150-600 mm Brennweite bei Blende f5-f6.3 zum verhältnismäßig günstigen Preis.

Dazu zwei Anmerkungen vorne weg: Ich habe eine Vollformat, eine Nikon D600 und leider keine DX Kamera mehr zur Verfügung. Daher bezieht sich alles, was ich schreibe, auf meine Kamera. Punkt zwei: Ob es Streuungen in der (Abbildungs-)Qualität gibt kann ich nicht beurteilen, wir sind drei Personen im Klub, die ein solches Objektiv ergattert haben (zusätzlich noch ein FB Freund, der ebenfalls eines hat) und sind allesamt begeistert von dem Objektiv.

Und wenn ich „ergattert“ schreibe, dann hat das durchaus was an sich, die Lieferzeiten sind lang und vor allem sehr unübersichtlich. Tamron hat dazu eine Mitteilung herausgegeben, wo sie sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen und sie schreiben, dass sie von der Anzahl der Bestellungen überrascht worden sind. Bei mir waren es rund vier Monate Wartezeit. Ob sich die Situation bereits gebessert hat, kann ich nicht beurteilen.

Noch ein weiterer Satz zur Einleitung: Ich habe auch ein Nikon 70 – 200/f2.8 das ich als Maß aller Dinge ansehe. Es geht überwältigend gut. Zähneknirschend habe ich damals das Geld dafür hingelegt und kann heute sagen, dass es jeden einzelnen Euro wert ist. Das kann ich übrigens nicht vom 24 – 70/f2.8 sagen.

Jetzt zum Tamron: Es ist ein Brocken. Es passt kaum in meine Fototasche, schon gar nicht, wenn ich zusätzliche Objektive drinnen habe. Dazu kommt noch das Gewicht von knapp unter zwei Kilo, das hängt sich gewaltig an. Wenn dann auch noch ein Stativ dabei ist, dann ist alleine der Transport schon eine ungemütliche und schweißtreibende Angelegenheit.

Im eingefahrenen Zustand ist es knapp unter 29cm lang, ausgefahren und mit der mächtigen Gegenlichtblende hat es etwas über 45cm. Filterdurchmesser sind 95mm.

Es greift sich gut an, der Zoomring geht nicht zu leicht und nicht zu schwer, auch der Fokusring ist tadellos.

Insgesamt sind vier Schalter am Objekiv:

1.) Arretierung. Das ist notwendig, damit das Objektivs nicht selbsttätig „ausfährt“, wenn es so getragen wird, dass es nach unten hängt.

2.) Fokusbegrenzung. Voller Bereich (Full) und 15 Meter bis unendlich. Das hilft, um dem Fokus die Arbeit zu erleichtern.

3.) AF und MF. Autofokus und manueller Fokus, auch auf Autofokus kann problemlos manuell nachgestellt werden.

4.) VC. Vibration Compensation, der Schalter für den Stabilisator. Am Stativ wird der ausgeschaltet, aus den Hand natürlich eingeschaltet.

Dazu noch eine solide, drehbare Stativschelle. Noch zwei Deckel zum Schutz, das war’s, eine Tasche ist nicht dabei.

Wie noch bei allen Objektiven, die ich mir gekauft habe, gilt auch hier, dass man doch ein paar Bilder schon gemacht haben muss, um die volle Leistung ausschöpfen zu können. Ich war nämlich ganz am Anfang nicht 100% überzeugt, das hat sich aber schnell geändert. Mittlerweile kann ich sagen, dass es bei allen Zoombereichen wirklich erstklassig funktionert, selbst bei Offenblende sind einzelne hauchzarte Federn an Vögeln zu erkennen.

Und hier bin ich auch schon in dem Bereich, wo ich meine, dass das das optimale Einsatzgebiet ist: Die Vogelfotografie, oder eine Fotografie, die nicht allzu große Entfernung hat (dazu noch ein Wort später) Hier spielt es seine Stärken aus, die Schärfe ist toll, der Mikrokontrast beeindruckend, dazu ein Bokeh, das diesen Namen auch wirklich verdient (9 Blendenlamellen), die Freistellmöglichkeiten sind beeindruckend. Dazu kommt ein Stabilisator, der das Bild im Sucher regelrecht festnagelt, es sind Aufnahmen aus der Hand möglich, die ich bisher für nicht realisierbar gehalten habe. Achtung: Der Stabi braucht eine halbe Sekunde bis er wirkt, man hört ihn dann richtig satt „einrasten“.

Videos zur Fokusgeschwindigkeit sind auf youtube ersichtlich, bei mir bleiben keine Wünsche offen, es passt.

Fazit: ich bin rundum zufrieden und es hat sich für mich eine neue Welt aufgetan, die Welt der Vögel. Ein Freund meint dieser Tage zu mir: „Vögel sind für mich alle gleich, sie sitzen in Bäumen herum“. Genau so war es auch bei mir, aber jetzt stelle ich fest, dass das alles verschiedene Arten sind, von Spatzen über Meisen bis zu Grasmückenarten usw. Dann sitze ich über den Vogelbüchern und stöbere im Internet, was denn das nun für ein Vogel war, den ich da erwischt habe.

Ich werde auch noch ein Bild einer Fliege, keine Stubenfliege, aber eine, die so ähnlich aussieht, hereingeben. Gemacht aus ca. 2.5Meter Entfernung (also praktisch an der Naheinstellgrenze) und die Schärfeleistung ist beeindruckend.

F5 – 6.3 ist nicht gerade berauschend, aber heutige Kameras erlauben problemlos ISO-Werte von 400 und mehr.

Gebe ich eine Kaufempfehlung? Mit Einschränkungen. Über 1000€ sind kein Pappenstiel. Zwar in Anbetracht dessen, was Festbrennweiten kosten geradezu ein Geschenk, aber es muss sich einer die Frage stellen: Brauche ich das? Ist es wirklich notwendig? Zu meinen, man könnte eine Burg oder Ruine in 10km Entfernung scharf abbilden, das ist ein Trugschluss. Es mag vielleicht zwei oder drei Tage im Jahr geben, wo das möglich ist in den ganz frühen Morgenstunden, aber sonst nicht, denn die Luftunruhe verdirbt jedes Bild.

Für alle anderen aber: Bestellen und hoffen, dass es bald eintrifft

Wolfgang Ecker

Beispielbilder mit dem Tamron-Objektiv gibt es hier

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